Rennsteig Teil 1

Einfach mal ein Wochenende Auszeit nehmen, raus aus dem Alltag und wandern gehen. Das war bei uns beiden mal wieder nötig, bei Anja vielleicht noch mehr als bei mir.

Beim KDT hatte Maria erzählt, dass sie in 2 Wochen den Rennsteig (170km und 2950hm) gehen wollte. Denn kannte Anja bis dato ja auch nur Abschnittsweise und einfach mal wieder ein verlängertes Wochenende unterwegs sein, war auch für sie zu verlockend. Also hieß jetzt vorher fleißig arbeiten und das besagte Wochenende frei schaufeln.

 

Am Donnerstag Abend war Anreise, nach der Arbeit ins Auto gehüpft und nach Blankenstein gefahren. Dort haben wir uns kurz vor 21:00 Uhr getroffen und trotz sehr unterschiedlicher Anfahrtszeit waren wir fast

gleichzeitig da. Jetzt nur schnell alles in Anja‘s Auto

verstauen und dann weiter zum Startpunkt nach Hörschel fahren.

 

Sowohl am Start- als auch am Zielpunkt gibt es einen kostenfreien Parkplatz. Die 2-Auto-Variante scheint generell die bessere Variante zu sein, da die Bus- und Bahnverbindungen in der Region eher schlecht ausgebaut sind. Man kann zwar innerhalb von 4-5 Stunden von Blankenstein nach Hörschel mit dem öffentlichen Nahverkehr gelangen, aber das sicherlich nur, wenn sich die eigenen Start- und Zielzeiten mit dem Busfahrplan decken.

 

 

In Hörschel angekommen zeigte die Uhr schon 23:15Uhr. Jetzt aber nix wie los! 


 

 

Sobald wir startklar waren, ging es mit Stirnlampen bewaffnet und vollbepackt auf den Rennsteig. Die Hunde waren voller Elan, sie hatten ja jetzt auch einige Stunden Autofahrt hinter sich und außerdem war es dunkel und da kann es im Wald schon ganz schön spannend sein....

Fala musste mit einem Kurzgeschirr laufen, da sie sich vor einer Woche einen Triangel in die Haut gerissen hatte und ihr richtiges Zuggeschirr genau über die Narbe laufen würde. In dem Fall ist dann ein Kurzgeschirr die bessere Variante. Riis durfte in ihren Packtaschen die Verpflegung für sich und Fala tragen, da die “kleine” noch das Glück hat, zu jung zum Gepäck tragen zu sein.

Total motiviert flogen die ersten Kilometer nur so dahin, jegliche Gefahr des Verlaufens, wurde durch zahlreiche Markierung mit einem großen, weißen "R", die auch nachts gut erkennbar waren, so gut wie unmöglich – aber nichts ist unmöglich...

Nach knapp 8 Kilometern schauten wir uns in einem schönem Waldstück nach einem geeigneten Nachtplatz um und fanden auch recht zeitnah eine wunderschöne ebene Stelle, direkt neben dem Weg. Früher stand dort mal eine Bank, von der war nicht mehr so wirklich viel übrig, allerdings eignete sie sich immer noch zum Hunde anbinden. 

In Rekordzeit hatten wir unseren Nachtplatz eingerichtet und sind aufgrund der späten Stunde, es war kurz vor 2 Uhr am morgen, schnell eingeschlafen. Fala fand das ganze noch sehr aufregend und musste erst noch eine Weile in den Wald hineinhorchen, bis sie sich dann auch schlafen legte. Vor allem war die Kleine heute ja noch nicht müde, die nächsten Abende war sie dann auch immer sofort auf der Isomatte und hat geschlafen – Auslastung bewirkt Wunder. 

Hier fiel Anja gleich erstmal auf wie lieb und routiniert Kimba inzwischen war. Am Nachtlagerplatz angekommen, ging sie sofort in Pausemodus über. Da hatte sie früher auch schon ganz andere Nächte gehabt, wo Madam dann erstmal noch Buddeln musste oder nach Wildausschau halten... im Alter stellt sich dann doch Routine ein.

Am morgen gab es eine leckere Portion Müsli mit Nüssen, Trockenobst und Schokostücken und dazu einen großen Topf Chai Tee: der perfekte Start in einen anstrengenden Wandertag.

Beim Frühstück hatten wir uns schon ein ungefähres Ziel für den heutigen Tag gesteckt. Der Plan war die 170 Kilometer ungefähr in 10-50-50-50-10 Kilometer-Etappen aufzuteilen. Anja hatte Caros Rennsteigwanderkarte mit und darauf waren auch immer schön die Kilometer und die Entfernungen der einzelnen Punkte angegeben sowie die Schutzhütten eingezeichnet. Auch auf den Wegweisern waren immer die Kilometer bis zu den ausgeschilderten Punkten angegeben.

Thüringen ist für Wanderer und Radfahrer wirklich erstklassig ausgeschildert und es gibt eine Vielzahl von schönen Wegen.

Total motiviert arbeiteten die Hunde im Geschirr und wir kamen flott voran. Heute galt es immer wieder Durststrecken auf Forststraßen zu überstehen und wir fragten uns schon wie sich so ein Weg "Qualitätswanderweg" nennen darf...

Doch die Wegführung überraschte uns auch immer wieder positiv, laut Karte waren der Rad- und der Wanderweg teilweise identisch, doch oftmals gab es neben der breiten Forststraße einfach noch einen separaten Single-Trail im Wald, so konnte man so manche Forststraße ganz einfach umgehen.

So gegen 11 Uhr machte sich ein kleiner Hunger bemerkbar und wir machten auf einer schönen, sonnigen Bank am Ruhlaer Häuschen unser zweites Frühstück: Bananenbrot mit Erdnussmuß. Die Hunde hatten verstanden, dass es heute etwas weiter wird und nutzten die Pause auch gleich zum ausruhen.

Auf unserem weiteren Weg konnten wir uns einige Male anhören, dass wir doch einen Schlitten mit Rädern vergessen hätten. Eine Gruppe an Radfahren trafen wir zweimal und die waren der felsenfesten Überzeugung, dass zumindest der Husky bei unserem ersten Treffen ein Gefährt gezogen habe.

Kimba hätte sich wahrscheinlich bedankt, bei dem Wetter auch noch nen Roller inklusive Mensch und Mehrtagesgepäck ziehen zu dürfen...

Auf die Antwort wie weit wir den heute so gehen, gab es entweder große ungläubige Augen oder es wurde mit einer Handbewegung abgetan, so von wegen, die Jungspunde wissen ja gar nicht von was sie da reden... 

Schnell stellten wir fest, dass es uns an geeigneten Schlafmöglichkeiten, selbst bei Schlechtwetter, nicht mangelt, denn spätestens alle fünf Kilometer oder eher alle drei, gab es wieder eine Schutzhütte. Wie wir später erfuhren, muss auf einem Qualitätswanderweg alle drei Kilometer eine Bank stehen, am besten auch noch überdacht....man kann auch übertreiben.

 

Es gab immer wieder kleine Sehenswürdigkeiten am Wegesrand zu bestaunen. Auch waren vom Rennsteigverein einige Aussichtstürme an geeigneten Stellen platziert worden, von denen man wirklich eine grandiose Aussicht hat.

Beim weitergehen stand dann auch auf einem Schild 100 Meter bis zur Grotte und wir nur so: uih, ja das schauen wir uns an, ähm ja, also irgendwie haben wir den falschen Weg genommen und sind erst mal einige hundert Meter gelaufen bis wir uns dachten: "ähm, ja also die 100 Meter sind schon lange vorbei wir sind irgendwie falsch..." Also zurück und den anderen Weg nehmen, und siehe da, nach nicht mal 100 Metern waren wir bei der sehr schönen Grotte, die ein bisschen an eine Boofe im Elbi erinnerte. Von dort ging es dann auch auf dem normalen Weg wieder weiter.

So langsam fing der Weg auch an seinem Qualitätssiegel gerecht zu werden, auf schmalen Pfaden liefen wir der Mittagspause entgegen. Als wir gut die Hälfte der Tageskilometer hinter uns hatten und wir auf dem großem Inselsberg standen, begann es zu regnen. Auf dem Gipfelplateau gab es nur eine Wirtschaft, ein Hotel aber keine Schutzhütte, also noch ein paar Meter weiter und dabei die „großartige“ Aussicht, es war alles weiß (Nebel), an den Reitsteinen genossen.

 

Auf der Terrasse einer noch geschlossenen DAV-Hütte, ja so was gibt es auch in Thüringen, haben wir dann unsere Isomatten ausgebreitet und gemütlich Mittag gemacht (Mittag um 15 Uhr). Es gab Blondies mit Basilikumpesto - mmmh lecker.

In der Zeit regnete sich der Himmel so richtig schön ab und so war es, als wir weiter wollten, zumindest von oben wieder trocken. Der Boden war jetzt natürlich feucht und matschig. Also genau das richtige für Schuhe ohne Gore-Tex.

So langsam machten sich die ersten Wehwehchen an den Füßen bemerkbar. Die waren ja eh noch vorgeschädigt vom KDT. Etwas Tape drüber, dann geht das schon.

 

Auch Riis fing an etwas Unrund zu gehen, doch die Pfoten schauten super aus und auch sonst war nichts zu erkennen. Trotzdem kam erst mal der Rucksack runter und Maria bekam noch ein paar Kilos zusätzlich draufgepackt.

Als es langsam immer später wurde, war es an der Zeit unser Wasser aufzufüllen, aber die Gaststätte, die wir dafür im Visir hatten, war nur so eine kleine Hütte, die nur von mittag bis nachmittag offen hatte und es war ja schon 19 Uhr. „Ähh und Jetzt?“ Also erst mal eine kleine Stärkung in Form eines Bananenbrotes und dann Karte raus und Lage peilen. Es gab zwei Optionen: Erstens eine Quelle nahe der Schutzhütte, bei der wir eh übernachten wollten und zweitens Oberhof, der nächste Ort, durch den wir durchkommen sollten, der allerdings noch ein paar Kilometer weiter weg lag. Wir waren beide für die erste Variante und hofften, dass wir die Quelle finden würden, weitergehen kann man ja immer noch.

Riis bekam jetzt auch wieder ihre Packtaschen draufgeschnallt, da sie wieder ohne Probleme lief. Auch auf dem letzten Stück bis zu unserem Nachtquartier lief sie wieder fast normal. 

Und weil auf dieser Tour irgendwie immer alles klappte und passte - naja fast alles, nur Marias Füße machten dem „alles lief perfekt“ einen Strich durch die Rechnung - sollten wir Glück haben. An der "Gustav-Freitag-Stein"-Hütte angekommen, parkten wir die Hunde und unser Gepäck. Ausgestattet mit all unseren Wasserbehältern machten wir uns auf Quellensuche. Nach einigem hin- und her, hörten wir ein Plätschern und fanden die Quelle. Sie war groß genug, dass man mit einer Tasse frisches, klares Wasser schöpfen konnte: Perfekt! :) 

Dann noch schnell unser Abendessen zubereitet, dass ging ratz fatz, den Anja hatte Gemüse getrocknet und dieses zusammen mit Couscous und Gewürzen ala Tütensuppe verpackt. So brauchten wir es nur kurz aufkochen und noch ein paar Minuten ziehen lassen. Ungefähr 250 Gramm Trockengewicht ergab für uns beide ein mega leckeres und reichhaltiges Abendessen. 

 

Nach einem Chai-Tee und einem Stück Schoki gings ab in den Schlafsack. 

Wir stellten einen Rekord im Einschlafen auf, denn wir waren echt müde, die Kilometer plus die schweren Rucksäcke machen einen doch ganz schön fertig.

 

Tag zwei begann gut ausgeschlafen mit lecker Müsli und Chai-Tee, die Füße wurden nochmal mit Tape versorgt, Sachen gepackt und auf gings. Gerade als Maria der Riis die Packtaschen anziehen wollte, bemerkte sie die Ursache für das gestrige etwas unrunde gehen von der Riis. Sie hatte sich außen am Ellenbogen wund gescheuert, da dort die Packtaschen immer entlang schrabbten. Also alles Hundefutter in Maria's Rucksack umgeladen und Riis durfte jetzt leicht wie eine Feder, in den Tag starten. Der Rucksack war bei Anja schon etwas leichter geworden, obwohl das überwiegend am Wasser lag und bei Maria noch etwas schwerer. Das wollten wir erst in Oberhof auffüllen. Die erste Hütte hatte allerdings noch geschlossen und so klapperten wir die umliegenden Gebäude ab, bis wir ein Hotel fanden, dass schon geöffnet hatte.

Allerdings war niemand da, den wir fragen konnten und so füllten wir im Bad einfach unser Wasser auf und zogen von dannen: Wasserauffüllen wie die Einbrecher...

Der Weg war wieder super ausgeschildert, allerdings schafften wir es doch einen Abzweig zu verpassen, wenn man grad so am Plaudern ist... Es lief auch grad gut, so dass wir erst knapp zwei Kilometer später feststellten, dass wir schon lang keine Markierung mehr gesehen hatten. Also kurz auf der Karte orientieren und wieder zurück.

Unsere zweite Frühstückspause machten wir bei herrlicher Sicht und Sonnenschein auf dem großen Beerberg, dem höchsten Berg des Thüringer Waldes. Wie wir später noch erfahren sollten, ist die höchste Erhebung doppelt vergeben: je nach Quelle wird auch der Schneekopf genannt, der allerdings nur durch eine Aussichtsplattform an die 1000-Meter-Marke kommt.

Frisch gestärkt gings weiter und des "Qualitätswanderweg-Siegel" sollte halten, was es verspricht: überwiegend schmale Pfade und Wurzelwege und natürlich alle drei Kilometer die obligatorische Bank ;)

Gegen Mittag zog es langsam zu und es grollte auch immermal. Irgendwann fing es dann auch an zu regnen und ab und an auch zu hageln, gefolgt von Sonnenschein, so richtig schönes Aprilwetter. Riis und Fala wären ja für nen Unterstand gewesen: da gab es so viele schöne Büsche am Rand, wo je ein Hund super drunter gepasst hätte...

Kimba fand Hagelkörner von oben jetzt auch nicht so toll, aber das dicke Huskyfell schützt ja doch deutlich besser gegen Hagel und auch gegen Regen. Einmal schütteln und da war sie auch schon fast wieder trocken.

Später nahm der Regen dann zu, aber unsere Mittagspause war eh dran und so setzen wir uns mit in die nächste Hütte zu zwei Radfahren und einer Wanderin.

 

 

So das war jetzt mal der 1. Teil...

Teil 2 folgt in einigen Tagen und zwar auf der Webseite von hundwegsam.
Denn der komplette Bericht ist ein Gemeinschaftstext von Anja (hundwegsam) und mir, da wir ja auch zusammen unterwegs waren

 

 

hat euch der Text gefallen?

Wenn ja, hinterlasst doch einfach nen kurzen Kommentar...

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Kommentare: 3
  • #1

    Sina (Montag, 29 Mai 2017 12:42)

    Vielen Dank für den 1. Teil des tollen Berichts. Freue mich schon auf den weiteren. �
    Was habt ihr für Hundepacktaschen bzw. könnt ihr welche empfehlen, Ruffwear, EQDog?��

  • #2

    Caro (Montag, 29 Mai 2017 18:37)

    Schön habt ihrs euch gemacht auf dem guten Rennsteig. Habt ihr auch einen Stein von Hörschel nach Blankenstein getragen und dort in die Saale geworfen? Das gehört sich nämlich eigentlich so.
    ;-)

  • #3

    Maria Müller (Mittwoch, 07 Juni 2017 11:27)

    @Sina

    ich habe für meine Hunde die Packtaschen von Ruffwear, da ich die von allen Taschen die es so auf dem markt zu kaufen am besten finde.

    und meine Hunde haben für Tagestouren die Singletrack von Ruffwear und für Mehrtagestouren das Palisades Pack von Ruffwear, da man dort dann die Packtaschen abnehmen kann und das Geschirr auch mal separat nutzen kann. Dies ist vor allem im Anspruchsvollen Gelände sehr praktisch.