Jurasteig

 

 

Einfach mal wieder raus, mehrere Tage am Stück unterwegs sein. Alles was man braucht im Rucksack dabei haben und die Tage von morgens bis abends einfach laufen, nur unterbrochen von kurzen und längeren Pausen.

 

Die einzigen Gedanken gelten der richtigen Wegfindung, wann und wo am besten Pause gemacht wird und dem finden eines geeigneten Nachtplatzes und manchmal vielleicht noch den Füßen oder irgendeinem Muskel der sich beschwert.

Eigentlich hatte ich letztes Jahr schon mit dem Jurasteig geliebäugelt, aber da war das Wetter einfach nur Bescheiden, so dass ich die Tage anderweitig unterwegs war. 

Jetzt war es endlich so weit, Jurasteig wir kommen.

Von Bernd hatte ich die Strecke schon angepriesen bekommen, der bereits mehrmals beim Junut die Runde Nonstop absolviert hatte, natürlich hat er dann auch keinen 11kg Rucksack auf dem Rücken.

Ich war aber sehr froh, dass mein Rucksack „nur“ 11kg wog und da waren bereits 1L Wasser und Essen für 4 der 5 Tage mit drinnen.

Ich hatte jetzt aber über die letzten Jahre meine Ausrüstung auch immer weiter optimiert, so dass Packmaß und Gewicht immer weiter geschrumpft sind. Meine neueste Errungenschaft war ein neues leichtes 1 Personen Zelt. Damit war ich zwar tatsächlich wieder schwerer als mit meinem Tarp, aber auch deutlich Witterungsgeschützter, somit ist in diesem Fall das Gewichtsupgrade von Vorteil. Das Zelt wiegt trotzdem immer noch unter 1kg und ist damit ein echtes Fliegengewicht.

 

Aber jetzt zur Tour, beginnend von Vorne.

 

Los gings am Mittwoche und am Sonntag wollte ich wieder zurück sein. In mein neues Mountaindogsmobil, dass jetzt noch ein sehr leerer Kastenwagen ist, packte ich am Montag schon alles ein und am Dienstag gings mit Sack und Pack in die Arbeit. Die Mädls hatten mal wieder einen harten Bürotag, den ganzen Tag wurden sie in regelmäßigen Abständen gestreichelt und das ein oder andere Leckerei fiel auch noch ab. Irgendwann war auch dieser Arbeitstag zu Ende und es ging wieder ein Stück mit der S-Bahn aus München raus zum Auto. Jetzt standen uns noch 1h20min Autofahrt bevor um nach Kehlheim zu unserem Start- und Zielpunkt zu gelangen.

Ich mag Rundtouren sehr gerne, da es logistisch einfacher ist, bei Streckentouren reist man am besten mit Öffis an, dass ist aber mit Hund oftmals kompliziert und auch gar nicht so günstig. Die andere Alternative ist es, dass Auto an den Start oder Zielpunkt zu stellen und dann zum Start/Ziel mit Öffis zu fahren. Da muss man dann immer schauen, wie die Verbindungen am besten sind.

In Kehlheim angekommen fuhr ich zu einem Parkplatz, den ich mir schon davor rausgesucht hatte, da er kostenfrei war. Nach einen kurzen Abendessen machte ich mich und die Hunde fertig und wir starteten in die Dämmerung. Gerade als Ich den Parkplatz verließ, fiel mit noch ein Schild auf, dass der Platz ab morgen gesperrt war. Ufff, Glück gehabt, das wäre sonst blöd gelaufen. Also zurück zum Auto, Zeug wieder ausziehen und neuen Parkplatz suchen. Zum Glück war gleich ums Eck noch ein weitere kostenfreier Parkplatz und auch nach mehrmaligen kontrollieren konnte ich kein Schild finden, dass ich hier das Auto nicht mehrere Tage stehen lassen darf.
Jetzt aber wirklich, los geht’s auf den Jurasteig. Es war jetzt auch schon kurz vor neun, somit werden das heute nur noch ein paar wenige Kilometer bis zu einem Nachtplatz. Aber jeder Kilometer den ich heute laufe, muss ich die nächsten Tage nicht mehr laufen. 

Los ging es durch die Altstadt von Kehlheim, viele Leute waren nicht mehr unterwegs, aber alle die wir trafen haben uns sehr neugierig beäugt und haben sich sicher gefragt, was dieses dreier Gespann so spät am Abend noch vor hat. Durch dich Stadt war der Weg gut ausgeschildert, in regelmäßigen Abständen und vor allem an den Kreuzungen waren Jurasteig Schilder oder Aufkleber angebracht. Trotzdem war ich stellenweise froh, dass ich den Track auf dem Handy hatte, da nicht jede Kreuzung eindeutig ausgeschildert war. Eine Karte von dem Gebiet würde auch nicht schaden, wenn man gern ein backup haben möchte oder die komplette Tour als Übersicht. Für mich war der Track auf dem Handy, so wie auf der Uhr (dort aber nicht aktiv, um weniger Akku zu verbrauchen) und eine Powerbank genügend Backups um mich nicht zu verlaufen… Und die Markierungen gab es ja auch noch. Kurz nach dem wir Kehlheim hinter uns gelassen hatten und es ab in den Wald ging, war es dann auch Zeit für die Stirnlampe. Jetzt merkt man, dass hier der Junut stattfindet, da in regelmäßigen Abständen Reflektoren angebracht waren, so dass man den Weg bei Nach sehr gut findet. Ein Freund, der den Junut bereits gelaufen war, bestätigte mir, dass er Nachts einfacher zu finden sei als am Tag, da auch beim Rennen keine zusätzlichen Markierungen angebracht werden, sondern nur die regulären Jurasteig Schilder für die Wegfindung vorhanden sind.

 

Als wir gut eineinhalb Stunden unterwegs waren und die Uhr 22Uhr anzeigte, schaute ich mich nach einem Nachtplatz um. Klar hätte ich heute noch weiter laufen können, aber dann wäre gleich am ersten Tag mein Schlafrhythmus durcheinander gekommen und dass ist meiner Meinung nach schlechter für mein Projekt Jurasteig in 5 Tagen (der erste Tag zählt nicht) als noch etwas mehr Kilometer in den nächsten fünf Tagen laufen zu müssen.

Ich fand einen ebenen Platz im Wald, quasi direkt neben dem Weg, jeder der jetzt noch unterwegs wäre, wurde mich sehen, aber ich finde es  besser direkt neben dem Weg zu schlafen und spät das Zelt aufzubauen und früh abzubauen, meist begegnet man dann eh keinem, als sich mitten in den Wald zu stellen, da dort die Tiere nicht gewöhnt sich, dass dort Menschen unterwegs sind. Direkt neben dem Weg sind die Tiere nicht so verschreckt, wenn dort Menschen sind. Heute waren die Mädls noch voller Tatendrang und waren regelrecht verwundert warum wir jetzt schon Pause machen. Die weiteren Tage würde sich das erheblich ändern.

Nach wenigen Minuten hatte ich mein Zelt aufgebaut, die iosmatte aufgeblasen und alles in der Apside und dem Zelt verstaut. Nach etwas hin und her, hatten wir alle drei eine optimale Aufteilung der Liegepositionen gefunden, so dass jeder ausreichend Platz hat in meinem 1-Personen Zelt. Bei größeren Person wird es dann mit zwei Hunden schon kritisch, aber bei mir klappt das super.

 

Am nächsten Morgen krabbelten wir alle munter und voller Tatendrang aus dem Zelt. Die nächsten Handgriffe würden mir über die Tage zur Routine werden. Zelt abbauen, Wasser kochen fürs Müsli, essen, die Hunde füttern, alles wieder im Rucksack verstauen und auf den Weg machen. Ein wichtiger Punkt war auch noch, wie viel Wasser ich noch hatte, ob ich bereits im nächsten Ort auffüllen musste oder erst im übernächsten. Ganz in der früh war es immer schwer Personen zu finden, bei denen ich auffüllen konnte.

 

Abwechslungsreich über Felder und durch Wälder führte uns der Weg nach Bad Abbach. Dort machte ich an eine kurze Badepause für die Mädls am Wasser, dabei fand ich ein Handy, das etwas versteckt im Gebüsch lag. Was mache ich damit jetzt?

Das Handy hatte tatsächlich noch Akku und war sogar nicht mit einem PIN gesperrt, jedoch war es auf ukrainisch eingestellt. Ich verstand also weniger als Bahnhof. Gut das ein Android Betriebssystem in jeder Sprache gleich ist. Also die Anruferliste aufgerufen und dort war auch eine Nummer, die versucht hatte dieses Handy in den letzten Stunden und Tagen mehrmals anzurufen. Also dort mal angerufen, es ging auch jemand ran, nur leider sprachen Sie weder deutsch noch englisch. Irgendwie haben wir es es geschafft, zu kommunizieren, dass wir uns SMS schreiben.

Somit habe ich dann eine SMS geschrieben und die andere Person konnte diese dann dank Translater übersetzten und mir antworten.
Somit war recht schnell klar, dass ich bei der Mutter der Handybesitzerin gelandet war. Ich habe Ihnen dann meinen Standort geschickt und 20 Minuten später, war das Handy wieder in den richtigen Händen.

Jetzt gings dann auch wieder weiter, ich wollte bis zur Mittagspause noch ein paar Kilometer schaffen. Ziel war es bis an jedem Tag bis 13Uhr schon mehr als die Hälfte geschafft zu haben, da es am Nachmittag zwischen 13 und 16Uhr extrem warm war und ich dann auch immer noch eine Nachmittagspause einlegte um der Hitze etwas auszuweichen. Lieber lief ich dann spät abends noch die letzten Kilometer für den Tag.

Mittags ging es mit einer Gierseilfähre über die Donau. Die Fähre funktioniert ohne Motor, sie wird mit einem Ruder in der richtigen Schräglage zur Strömung platziert und durch das von Ufer zu Ufer gespannte Seil kann die Fähre nicht abtreiben. Diese beiden. Dinge reichen aus, dass die Fähre Antriebslos von einem Ufer zum anderen und zurück fahren kann.

Wir hatten gerade noch Glück, da wir gerade vor der Mittagspause noch rüber gebracht wurden.

Der Rest des Tages lief so vor sich hin. 

 

Der Rucksack drückte schon merklich auf die Schultern und ich pendelte mich so bei einer Gehgeschwindigkeit von 5-6kmh ein. Je nach Steigung und Wegebeschaffenheit. Dazu kommen noch die kleinen und großen Pausen, die man bei der Zeitberechnung nicht Unterschätzen darf. Auch wenn es nur das auffüllen der Wasserflasche ist, was man bei den Temperaturen echt oft machen muss, wenn man nicht mit 3L Wasser sondern nur mit 1,5L für Mensch und Hund unterwegs ist. Am Abend für die Nacht fülle ich dann immer 3L Wasser auf, aber unterwegs spare ich mir das Gewicht, vor allem da man selten länger als 8 Kilometer zwischen zwei Ortschaften unterwegs ist. Auch der Blick aufs Handy/Karte an nicht so eindeutig ausgeschilderten Kreuzungen braucht seine Zeit. So dass sich zu der reinen Gehzeit von in meinem Fall etwa 10h noch 2-3h Pausen dazugesellen. Somit waren wir jeden Tag ganz schön lange unterwegs.

 

Am Nachmittag haben wir dann noch eine zweite Pause gemacht, im Schatten da es so warm war. Am Abend habe ich mir einen schönen sonnigen Platz gesucht und dort noch das Abendessen gekocht und die letzten Sonnenstrahlen genossen. Als die Sonne hinter dem Horizont verschwand, schulterte ich nochmal den Rucksack und wir legten nochmal ein paar Kilometer bis zu einem geeignetem Nachplatz zurück. Schön war dieser nicht, aber er erfüllte alle Anforderungen dich ich von einem Schlafplatz erwarte. Eben soll er sein, nicht vom Dorf aus sichtbar, ziemlich neben dem Weg und weicher Boden, so dass die Heringe gut halten.

Jetzt war Gas geben angesagt, ich wollte das Zelt noch ohne Stirnlampe aufbauen, gestern hatte ich bereits im Licht der Stirnlampe aufgebaut, aber es ist doch einfacher, wenn man noch Tageslicht hat.

Wenige Minuten später stand alles und in noch kürzerer Zeit waren wir auch schon im Zelt verschwunden.

Am längsten dauerte das obligatorische Absuchen der Mädls nach Zecken. In der Mittagspause und Abends suchte ich beide akribisch nach den Biestern ab und fand jedes mal zig laufende und angebissenen Zecken. Auch beim Wandern scanne ich die beiden dauernd nach schwarzen Punkten ab und jede Zecke wird sofort entfernt.

Aber es war echt krass, wie viele ich doch am Abend noch fand und die wollte ich dann nicht mit im Zelt haben. Die Mädls finden das absuchen super, da sie die ganze Zeit gestreichelt werden.

Nach dem Abendritual waren wir alle drei in kürzester Zeit eingeschlafen.

Am nächsten morgen wieder Zelt abbauen und fertig machen, dadurch dass wir im Wald übernachtetet hatten war das Zelt auch nicht durch die Nachtfeuchtigkeit nass, dann ist das zusammen packen auch angenehmer und noch mal etwas schneller.

Nach dem Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg, die Kilometer wollen bezwungen werden.

Nach kurzer Zeit kam ich in das nächste kleine Dorf, hier wollte ich gern mein Wasser auffüllen, am Morgen gar nicht so einfach, wenn es keinen öffentlichen Brunnen/Toilette gab.

Ein junges Mädchen kam mir entgegen, dass ich gleich fragte, ob ich bei Ihr Wasser auffüllen kann. Sie meinte ja klar, aber schnell, sie muss noch den Bus zur Schule erwischen.

Also schnell zu Ihrem Haus, jedoch hatte Sie Ihren Schlüssel vergessen und Ihr Vater war wieder eingeschlafen. Sie meinte ich solle einfach bei Ihrer Nachbarin klingeln, die sind immer da und auch immer früh wach.

Ok, dann wollen wir mal. Also ab zum nächsten Hauseingang und klingeln. Kurze Zeit später öffnete mir eine Frau im Nachhemd, oh das war mir jetzt peinlich, ich sagte, dass ich Wasser bräuchte und die Nachbarstochter gesagt habe, hier kann ich klingeln. Die Frau war sofort total hilfsbereit und meinte sie hatte eh nur noch am Handy gespielt, und ich war jetzt der Grund, dass sie doch endlich aufgestanden sei. Es entwickelt sich dann ein ganz nettes Gespräch und sie fragte mich ob ich sonst noch irgendetwas brauche. Es ist so schön, wie nett und hilfsbereit doch so viele Menschen sind, dass verliert man in der heutigen Zeit viel zu schnell aus den Augen. In den Nachrichten werden immer nur die „schlimmen“ Ereignisse geschildert und selten über schöne Sachen berichtet. Solche Begegnungen und verrückten Dinge passieren einem nur, wenn man raus geht und einfach mal etwas macht ohne es davor bis ins kleinste Detail zu planen.

 

Auf unserer weiteren Route kamen wir an mehreren Burgen - wovon einige nur noch Ruinen waren, Schlössern, sowie auch einigen schönen Kirchen und Kapellen vorbei, die man mit mehr Zeit im Gepäck auch besichtigen kann.

Mittags haben wir an der Vils, einem kleine Fluss, Pause gemacht und bei den warmen Temperaturen war das eine willkommene Erfrischung. Während dem Wandern hatte ich die Solarzelle am Rücksack befestigt und lud damit die Powerbank, in der Mittagspause konnte ich die Zelle optimal positionieren und steckte dann das Handy direkt an, da direkt laden natürlich nochmal effektiver ist. Wenn mann mehrer Tage am Stück autark unterwegs ist, muss man sich auch über solche Dinge wie die Stromversorgung Gedanken machen. Und die richtige Mischung aus Ersatzakkus, Powerbank und Solarzelle oder auch fest eingeplanten Übernachtungen auf Campingplätzen/Hotels oder auch nur die Mittagspause in einem Café finden, wo man dann eine Steckdose hat.

 

Nach der wohlverdienten Pause ging es wieder weiter. 

Die zweite Hälfte des Tages verlief Abwechslungsreich und war trotz sich etwas beschwerender Füße gut machbar. Für die letzten 8 Kilometer packte ich meine Shamma Sandals aus und lief in denen weiter. Dank der dünnen Sohle hatte ich eine Massage für die Füße und die Abwechslung war genau das, was meine Füße jetzt brauchten um nochmal die letzen Kilometer ohne zu murren unter die Sohlen zu nehmen.

Für Heute Abend war Gewittergefahr vorausgesagt und der Himmel wurde auch immer dunkler.

Ich fand als Nachtplatz tatsächlich eine Wiese auf der eine kleine Hütte mit kaputten Fenstern stand, diese nutzen die Holzarbeiter wahrscheinlich als Mittagsplatz. Zumindest sah es danach aus.

Ich dachte mir, perfekt, wenn es wirklich eine extremes Gewitter wird, kann ich da immer noch hinein flüchten, aber jetzt erst mal Abendessen und das Zelt aufbauen.

Gesagt getan, nach wenigen Minuten stand das Zelt und das Abendessen kühlte währenden dem Aufbau schon mal ab, damit ich es essen kann, ohne mir die Zunge zu verbrennen.

 

Kurze Zeit später verkrochen wir uns auch im Zelt und es fing auch zum regnen an. Der erste Härtetest für mein neues Zelt von Nemo Tent. Ich lag eingekuschelt im Schlafsack und der Regen prasselte aufs Zelt. Heute war es besonders kuschelig, da mein Rucksack auch noch im Innenzelt war. Normalerweise liegt er in der Apside, aber wenn es regnet, läuft dort der Regen durch und dann muss alles was nicht nass werden darf ins Innenzelt. Jetzt lagen also in einem ultraleichtem und damit eher knapp dimensionierten 1-Personen Zelt, zwei Hunde, ein Rucksack und eine Person. Jeder Quadratmillimeter war jetzt belegt. Größer dürften weder die Hunde noch ich sein, sonst würde das nicht mehr funktionieren und man wäre mit der 2-Personen Variante besser beraten. Der Großteil des Gewitters zog an uns vorbei wir bekamen nur einen kräftigen Regenschauer ab.

Nach einer erholsamen Nacht kontrollierte ich am nächsten Tag ob irgendetwas nass geworden war, aber alles trocken. Perfekt, dass Zelt hatte den Regentest bestanden, obwohl wir das Innenzelt wirklich maximal ausgenutzt hatten und bei nicht so durchdachten Zelten es dann oft passiert, dass das Innenzelt das Außenzelt berührt und es dann nass rein kommt. Während dem Frühstück hängte ich das Zelt an einem Baum auf, damit es schon mal etwas abtrocknen kann und ich es nicht komplett nass in den Rucksack packen muss.

Dank des Regens in der Nacht war es jetzt angenehme kühl und es würde auch etwas länger kühl bleiben. Trotzdem machte ich mich zeitig auf den Weg um auch heute wieder die kühleren Stunden zu nutzen und in diesen den Großteil der Kilometer zu laufen.

Jetzt ging es erst mal nach Kastl, zum nördlichsten Punkt der Tour und auch von den Kilometern ziemlich genau die Hälfte der Strecke. Wir waren gut im Zeitplan, da wir in Kastl sogar noch am Vormittag durchlaufen werden. Kurz vor Kastl wird noch auf die alte Wegführung des Jurasteiges hingewiesen, früher zweigte man vor Kastl bereits nach Westen ab und der Jurasteig war etwa 15km und eine Tagesetappe kürzer. Wir laufen natürlich die neue und damit längere Variante, den diese soll auch nochmal Landschaftlich sehr schön sein. Aber genau an dieser Stelle war eine sehr widersprüchliche Ausschilderung der Wegführung. Es gab einen Wegweise mit Jurasteig nach Kastl, der direkt am kleinen Fluss relativ eben nach Kastl führt, der GPX- Track sagte aber, dass wir über den Rechenfels müssen. Aber die Schilder sagten dass dies der Alte Weg sei.

Naja Fakt ist, der Weg am Fluss ist tatsächlich ausgeschildert, aber sehr spärlich und der richtige Weg führt über den Rechenfels. Nach dem Hinweis mit der alten Wegführung folgt man dieser noch ganz kurz und zweigt dann zum Rechelfelsen ab und geht nicht weiter nach Mühlhausen (alter Weg). Kann natürlich auch sein, dass ich einfach zu blöd war die Schilder zu lesen, aber ich fand diese Abzweigung mehr als Verwirrend aufgrund der Schilder. Hätt ich einfach nur meinem GPX vertraut, wäre alles ganz easy gewesen. Es gibt tatsächlich noch ein oder zwei Stellen, an denen das GPX was anderes sagt als die Schilder und in diesem Fall ist es besser man folgt den Schildern. Also gar nicht so einfach, diese Orientierung im Mittelgebirge… Aber vlt. bin ich als Hohe-Berge-Mensch auch einfach mit der Schilderflut überfordert, wer weiß das schon.

Kurz nach Kastl mussten wir noch eine Umleitung laufen, da ein Teilstück des Jurasteiges gesperrt war. Dieser Abschnitt war extrem Teerlastig und führte ohne Schatten durch die pralle Sonne, so dass ich mehr als froh war, als wir diese Kilometer hinter uns hatten, da es mittlerweile auch richtig warm war.

Auch der weitere Weg verlief heute sehr viel über offene Felder auf die die Sonne ziemlich runter brannte. Jeder Meter den wir im Schatten laufen konnten war eine Wohltat und gefühlt in jedem Dorf füllte ich die Wasserflaschen wieder auf, weil es so warm war.

Auch heute hatten wir schon wieder fast 30km in den Beinen als wir an einem schönen schattigen Plätzchen Mittag machten.

Ich nutze die Zeit um das nasse Zelt zu trocknen. In der Sonne und mit einem kleinen Lüftchen war es in kürzester Zeit komplett trocken. Normalerweise ist es für ein Zelt kein Problem, wenn man es mal einen Tag nass im Rucksack dabei hat, wenn man es am Abend wieder aufbaut. Aber wenn ich mittags die Gelegenheit habe, ein nasses Zelt zu trocknen dann mache ich das auch.

Diesmal kochte ich mir sogar eine kleine Suppe (so eine fertige Tüte von Knorr) da ich enormes Bedürfnis nach Salz und Flüssigkeit hatte. Auf Tour empfiehlt es sich immer einen Salzstreuer dabei zu haben, da man durch das viele Schwitzen einfach Salz verliert und das so super übers Essen ausgleichen kann. Man hat dann auch oft einfach noch mehr Hunger auf salziges Essen und auf das Gefühl vom Körper sollte man hören. Den Salzmangel ist schlecht für die Muskeln und kann zu Krämpfen führen.

 

Nach der Mittagspause ging es weiter, die restlichen Kilometer in Angriff nehmen.

Es wurde jetzt zum Glück auch wieder schattiger da wir auch wieder im Wald unterwegs waren. Vor allem bei den Hunden waren die Packtaschen bereits merklich leichter geworden und beide fressen diesmal auch ganz gut. Leider ist vor allem Fala eine ganz schlechte Fresserin auf Tour und mann muss immer schauen, dass sie über den Tag verteilt auch genügend frisst. Wenn alle Beteiligten nach so einer Tour etwas abgenommen haben ist das in Ordnung, aber es muss noch im Rahmen sein, dann ist dass alles ganz normal.

 

Am Nachmittag machten wir noch eine Pause an einem kleinen Bächlein. Die Hunde konnten gerade so schwimmen und ich konnte mir die Füße abkühlen. Die nächste Stadt war dann Deining, dort nutze ich die Gelegenheit und kaufte den Hunden ein frisches Stück Fleisch, dass schneller weg war, als man schauen konnte. Und dann gab es noch Käse, denn ich unters Tofu mischen konnte, damit auch Fala besser frisst. Für mich gabs vom Bäcker eine Nussecke, mal wieder was richtig süßes ist einfach geil.

Jetzt musste ich nur noch schauen, dass ich irgendwo vorbei komme, wo ich mein Wasser auffüllen kann. Am Ortende, wo ich mir schon dachte, jetzt muss ich nochmal zurück um Wasser zu suchen, kam ich an der Freiwilligen Feuerwehr vorbei. Dort waren auch gerade Leute, die nicht so aussahen als hätten sie es eilig. Also gefragt und wie auch schon bei all den malen davor, durfte ich mir Wasser auffüllen und wir kamen ins Gespräch. Während wir uns so unterhielten wurde der Himmel immer dunkler und die nächste Wolke brachte definitiv Regen. Der Kommandant bot mir dann an, dass ich einfach unter ihrem Carport übernachten konnte. Kurz war ich hin und her gerissen, es war erst 19Uhr und ich hatte erst 46km, also noch relativ wenig, es war doch noch Zeit zum wandern. Aber nach drei Tagen mal einen kürzeren Tag schadet auch nicht, und es würde definitiv gleich regnen, so dass ich nass werden würde und eventuell auch noch im Regen mein Zelt aufbauen muss.

Am Ende siegte meine Bequemlichkeit, kein nasses Equipment zu haben und einfach schön gemütlich im trockenen zu sein.

Während ich mir mein Lager einrichtete, Isomatte aufblasen, etwas zum essen kochen schaute ich der Feuerwehr bei Ihrer Übung zu. Währenddessen öffnete der Himmel mal kurz alle Schleusen und es war Weltuntergangsstimmung.

Nach der Übung wurde ich noch auf ein Bier eingeladen und wir ratschten noch ne Weile, bis ich dann doch irgendwann in meinem Schlafsack verschwand.
Und wie ich immer sagen jede Chance muss bestmöglich genutzt werden. Über Nacht habe ich dann mein Handy und die Powerbank an einer !!Steckdose!! geladen. 

 

Wunderbar ausgeschlafen lief das zusammenpacken am nächsten Tag noch schneller, da ich kein Zelt abbauen musste. Jetzt war es wieder gut, dass ich mein Zelt gestern getrocknet hatte, da ich es heute eben nicht aufgebaut hatte.

Nach dem obligatorischen Müsli zum Frühstück ging es los hinein in einen neuen dank des Regens noch kühleren Tag.

Die Strecke war schön und abwechslungsreich, die Hunde fanden ab und an eine Pfütze vom Vortag um ihren Durst zu stillen, aber auch Heute waren richtige Wasserquellen wieder rar gesät, so dass ich weiter bei Leuten fragte ob ich Wasser haben könnte. Heute lief es richtig gut und wir kamen gut voran, als es Zeit war für die Mittagspause war natürlich weit und breit keine Bank zu finden. Ich lief noch zwei Kilometer, aber die einzige Bank war zusammengebrochen und im Schatten, also ab auf die Wiese in die Sonne und Pause machen.

Die Mädls waren schon wieder voller Zecken, also erst mal die beiden abgesucht und dann essen gekocht. Ich wollte irgendwie etwas warmes und herzhaftes. Gesagt getan, nach kürzester Zeit war das Essen fertig und wir genossen die Sonne.

Nach einer guten Stunde ging es wieder weiter über schöne Wege, da wir wieder näher an einer größeren Stadt waren, war auch wieder mehr los noch dazu war es Samstag. Die Mädls waren natürlich das Highlight mit Ihren Packtaschen. Kurz vor bevor wir in Dietfurt ankamen bekam ich auf einmal Bauchschmerzen, Ich hatte keine Ahnung woher die jetzt kommen.
Mit langsamen Tempo ging es weiter, zum Glück kam jetzt kein steiler Anstieg, so dass ich einfach so vor mich hin wandern konnte. In Dietfurt führte der Weg durch die wunderschöne Altstadt mit Ihren kleinen Straßen und Gassen. Da es in Deining im Supermarkt kein Erdnussmuss gab, machte ich noch einen Abstecher zum Supermarkt. Die Mädls freuten sich wieder über ein frisches Stück Fleisch.

Mir ging es jetzt noch dreckiger, aber hier auf dem Supermarktparkplatz wollte ich nicht sitzen bleiben. Also schleppte ich mich mehr als das ich ging noch ein Stück weiter an den Waldrand auf eine Bank.

Dort lag ich 1 1/2h weil es mir so mies ging. Ich rätsle immer noch, woran es lag, dass es mir so schlecht ging. Vermutlich hatte ich die letzten Tage zu wenig gegessen (ich hatte definitiv deutlich weniger gegessen als ich verbrannt hatte) und dann heute mittag eine recht große Portion gegessen. Und damit ist mein Magen einfach nicht klar gekommen, da die Energie vor allem für die Muskeln benötigt wird. Wenn man den ganzen Tag unterwegs ist, oder generell, wenn der Körper gut gefordert ist, sind viele kleine und vor allem leicht verdauliche Portionen das mittel der Wahl, ansonsten geht es einem so wie mir. Eigentlich weiß ich es ja, und beim Trailrunning halte ich mich da auch dran, aber beim wandern hatte ich damit noch nie Probleme, aber man lernt ja nie aus.
Nach der Pause machte ich mich auf den Weg, ich wollte doch noch ein paar Kilometer schaffen, damit der letzte Tag nicht utopisch lang wird, da ich ja noch heimfahren muss. Das Tempo war langsam, sehr langsam, aber es ging voran. Nach 7 Kilometern kam ich nochmal durch ein Dorf, dort habe ich dann nochmal Wasser aufgefüllt. Und meine Motivation auf diesen letzten Kilometern, war ein schöner Nachplatz, um endlich auch mal nach den Tagen einen richtig schönen Platz mit schöner Aussicht zu haben.
Aber um da hinzukommen musste ich jetzt nochmal richtig steil bergauf. Das war jetzt echt ein Kampf, als ich dann endlich oben angekommen bin und die letzten Meter zu dem Aussichtspunkt gelaufen bin, war es jede Mühe wert. Der Platz war fantastisch, super schöne Aussicht auf das Tal und den Fluss.

In kürzester Zeit war das Zelt aufgebaut, da merkte man die Routine, die sich über die Tage einstellt. Nach einem sehr kleinen Abendessen, auf mehr hatte ich einfach keinen Hunger und mein Magen wollte auch nicht mehr, haben wir uns im Zelt verkrochen.

Hoffentlich bringt der Schlaf die gewünschte Erholung.

Der letzte Tag, auf in den Endspurt. Es ging mir deutlich besser als gestern, Schlaf wirkt halt doch immer noch Wunder und ein normales Frühstück war auch wieder drin. Ein Müsli ist aber auch sehr gut verträglich.

Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang ging es los in einen neuen Tag voll schöner Trails. Über eine „Hochebene“ führten uns die ersten Kilometer, der ein oder andere Hase verschwand schnell in seinem Bau, Fala fand das natürlich alles sehr sehr spannend, aber sie blieb brav bei mir auch wenn man ihr ansah, dass sie lieber einen saftigen Hasenbraten zum Frühstück hätte. Aber ja, manchmal muss man vernünftig sein, auch wenn man lieber was anderes hätte, das gilt für Mensch wie auch für den Hund. Im Ersten Dorf dann wie immer das Wasser aufgefüllt und weiter gings.

Kurz vor unserem heutigen Nachtquartier hatten wir den Altmühltal Panoramaweg erreicht, der bis jetzt bis zu unserem Ziel Kehlheim identisch mit dem Jurasteig ist. Es gab auch immer wieder Schilder die darauf hinwiesen, dass die Jurasteig-Wanderer jetzt den Schildern des Altmühltal Panoramaweg folgen müssen. Somit kannte ich in der Theorie den weiteren Weg bereits, da das aber schon ein paar Jahre her war und ich die Tour damals in die entgegengesetzte Richtung gewandert war, kam mir nur ein paar wenige Stellen bekannt vor.

Auch heute kamen wir wieder an einigen Burgen vorbei und der Weg führt sehr viel durch den Wald, so war die Hitze gut auszuhalten, es war richtig angenehm. Das heute Sonntag war, merkte man definitiv, es war deutlich mehr los als an allen anderen Tagen, aber wir waren jetzt auch einfach wieder näher an einer großen Stadt.

Trotzdem war ich froh, dass es weniger Kilometer als an den anderen Tagen sind, da es nachher ja noch mit Auto heim geht. Jetzt zahlt es sich aus, dass ich die letzten Tage schon vorgearbeitet habe und immer über 45km gelaufen bin, teilweise sogar über 50km.

Kurz vor der Mittagspause kamen wir noch an eine Stelle, an der stand „schwieriger Weg nur für trittsichere Wanderer“, dieser Abschnitt war mit der schönste der ganzen Tour und am kleinen Gipfelfelsen hatte man eine traumhafte Aussicht.

Hinter einer Burg an einer schönen Bank machten wir Mittagspause, einfach im Gras liegen und die Sonne genießen und dazu bisserl was essen, perfekte Kombi.

Nach einem Stück Forstweg sind wir nochmal in die Donau gehüpft, bevor es als letzte Highlight vor Kehlheim auf einem Keltendamm entlang ging. Ein wunderschöner schattiger Trail mitten durch den Wald. Am Ende kommt man direkt an der Donau heraus, an dieser ging es dann noch die letzten paar Kilometer flach zurück zum Auto.

 

Am Auto angekommen erst mal die Schuhe aus, ich war die letzten 10 Kilometer bereits in den Shamma Sandals gelaufen, sowie das restliche Essen vernichten. Da ich jetzt doch ganz gut müde war, legte ich mich erstmal für eine gute Stunde auf die Isomatte und döste vor mich hin um gleich auch noch sicher heimfahren zu können.

 

So schnell waren fünf Tage auch schon wieder vorbei.

Es war wieder eine tolle Tour und ich habe auch wieder etwas dazu gelernt, viele kleine Portionen über den Tag verteilt essen und nicht zu lange warten bis man mit dem Snacken anfängt.

Auch Körperlich war es eine Erfahrung fünf Tage lang im Schnitt 48km zu laufen und das mit 10kg auf dem Rücken ist schon ne Hausnummer.

Jetzt freue ich mich auch wieder auf die Trailrunden, an denen man einen ganzen Tag unterwegs ist und alles was man braucht in einer kleinen Trailweste dabei hat.

Aber genau diese Kontraste machen das draußen sein auch so spannend.

 

Ich bin schon gespannt, wohin uns unsere nächste lange Tour verschlägt.

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