Sellrain-Runde

 

Es ist Anfang September und ich habe Urlaub… das Wetter ist mehr schlecht als gut angesagt, aber irgendwas will ich trotzdem unternehmen.

 

So wird aus einer einwöchigen Mehrtagestour, ein zwei Tage Alpinkletterkletterausflug mit einer guten Freundin und an den anderen beiden Halbwegs guten Tage geht es mit Felix und den Hunden ins Sellrain und wir machen dort eine Wanderung.

 

 

Wie auch schon beim dem Kletterausflug ist der erste Tag bescheiden und erst der zweite Tag bringt dann den erhofften Sonnenschein, aber jetzt von Vorne.

 

Die Rucksäcke sind  mit 30L angenehm klein, auch wenn man Kleidungstechnisch nicht wirklich nen Unterschied zu ner zwei Wochentour hat, merkt man dann doch, wie viel Platz im Rucksack das Essen ausmacht. Ich finde es auf jede Fall super mit so leichtem Gepäck zu wandern.

Bei der Auswahl der Tour habe ich mir eine Gegend rausgesucht in der ich noch nicht viel unterwegs war und die nicht so weit zum fahren ist, da wir ja nur zwei Tage unterwegs sind.

So wurde es dann das Sellrain, durch das ich eine tolle Rundtour geplant habe.

 

Am Donnerstag morgen ging es los, nach etwas mehr als zwei Stunden erreichten wir den Parkplatz in Praxmar, mitten in einer Nebelsuppe, Sichtweite 50m. Na super, Felix war natürlich gleich hoch motiviert, nicht, also mal so gar nicht.
Mir und den Mädls wars egal und es wäre ja gelacht, wenn drei Mädls einen Kerl nicht motiviert bekommen.

Nach etwas gebündelter Motivationsenergie für Felix gings dann los. Es regnete nicht, aber trotzdem wurde alles gleich etwas feucht, da wir im wahrsten Sinne des Wortes durch eine Wolke wanderten. 

 

Über grüne Wiesen ging es gleich nach oben, links und rechts am Weg gab es Blaubeersträuche, es war schwierig nicht die ganze Zeit stehen zu bleiben und sich den Bauch mit Blaubeeren vollzuschlagen. Die Mädls waren trotz des Wetters motiviert, sie hatten beide nur Ihre kleinen Packtaschen auf dem Rücken, da man für eine Nach nicht viel braucht. In den Taschen waren nur das Futter und Wasser, die dicken Pullis und Isomatten trug ich. An einem kleinen Bergsee stand eine Herde Pferde, Fala fand die Pferde eher interessant, war aber froh dass die Abstand hielten und Riis wollte einfach nur möglichst schnell vorbei. 

So langsam wechselte der Untergrund von Wiese zu steinig und es wurde auch immer kälter. Auf dem Weg zur Lampsenspitze trafen wir dann tatsächlich noch einen anderen Wanderer, hätte ich bei dem Wetter jetzt auch nicht unbedingt damit gerechnet.

Am Stellajoch, an dem der OneWay zu Lampsenspitze beginnt, machten wir in einer windgeschützen Kuhle eine kurze Pause. Nach kurzer Zeit gings weiter hinab ins Gleischtal. Im oberen Bereich war der Weg relativ steil und alles andere als angenehm zu gehen, aber nach ein paar Höhenmetern hatten wir den Teil hinter uns gelassen und es ging super schön bergab bis ins Tal. Vom Tal ging es in wenigen Höhenmetern hinauf zur Pforzheimer Hütte, hier wurden wir gleich mal von den Hüttenhunden mit Gebell empfangen. Zwei von der Hütte brachen mit den zwei gerade zur Gassirunde auf. Gibt schlimmere Hundeleben, als auf einer Hütte zu chillen und jeden Tag in den Bergen Gassi zu sein und Murmeltiere zu beobachten. Perfekt zu unserer Pause auf der Terrasse kam auch die Sonne raus.

 

Nach dem wir uns alle gestärkt hatten ging es wieder weiter. Unser nächstes Ziel war der Zwieselbacher Roßkogel mit 3081m, aber bis wir da ankommen, stehen noch einige Höhenmeter zwischen uns.

Kurz nach der Hütte wurde der Weg von leicht ansteigend zu ziemlich steil ansteigend. Wir kamen noch an einem Fluss vorbei den die Hunde als zusätzliche Trinkpause nutzten und danach wurde es auch bald wieder felsig. In vielen Serpentinen schlängelt sich der Weg bergauf, die Höhenmeter zwischen und und dem Gipfel schrumpften stetig. Als wir den Sattel erreichten, bläst der Wind kräftig über die Kante und die Sicht ist quasi nicht vorhanden. Wir wollen aber trotzdem auf den Gipfel. In wenigen Minuten haben wir das Gipfelkreuz erreicht, der Berg ist eigentlich ein riesiger Schutthaufen aus großen Steinen, die Mädls springen im Aufstieg elegant von Stein zu Stein und wir zwei wackeln hinter her. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto und einer kurzen Trinkpause geht es schnell wieder zurück zum Sattel und gleich weiter hinunter ins nächste Tal.
Aber auf von diesem trennen uns noch einige viele Höhenmeter. Erst geht es über ein Blockfeld, das Tempo ist hier automatisch gedrosselt, da man sehr viel schauen muss, wo man als nächstes hinsteigt. Routiniert meistern wir den Abschnitt, sind aber trotzdem froh, als wir wieder Gras unter den Füßen haben, da es sich einfach entspannter geht und man dabei mehr in der Gegend rumschauen und ratschen kann.

Es sei schonmal vorweg genommen, dass war nicht das letzte Blockfeld auf unserer Runde, aber immerhin für heute war es das letzte.

Im Abstieg kommen wir an einer Herde Scharfe vorbei. Anstatt auf die Seite zu gehen, kommen die Scharfe auf uns zu. Riis ist mir der Situation absolut unglücklich und will am liebsten ganz weit weg. Man könnte fast glauben, das Riis ein Reh ist und die Scharfe Hunde, so wie sich meine Prinzessin verhält. Wenn die Scharfe näher kommen, geht Riis noch weiter weg. Fala ist zwar auch unsicher, aber sie verfolgt da eher das Motto, die Scharfe anzubellen, wenn diese näher kommen. All das interessiert die Scharfe reichlich wenig und wir schauen, dass wir weiter kommen, bevor Riis noch einen Herzkasper bekommt. Riis ist sichtlich erleichtert, als die Scharfe uns nicht folgen und sie wieder munter neben uns her laufen kann.
Nicht lange danach haben wir das Zwieselbachtal erreicht, wenige Meter talabwärts steht die Ambergerhütte, hier könnte man perfekt übernachten. Wir jedoch gehen das Tal hinauf, Richtung Übergang zur Winnebachseehütte.

Nach einer weiteren halben Stunde finden wir einen geeigneten Platz zum biwakieren und wir schlagen dort unser Lager auf.

Innerhalb kürzester Zeit habe ich mein Tarp und Felix seinen Biwaksack hergerichtet und wir sitzen vor dem Kocher um unser Wasser fürs Abendessen warm zu machen.

Im Sonnenuntergang essen wir das beste Trekking Food von Real Turmat (die Firma hat auch viele vegane Gerichte)

Nach dem die Sonne verschwunden ist, wird es sehr schnell kalt und wir verschwinden im Schlafsack. Für die Mädls habe ich auch bereits die dicken Winterjacken dabei, den es verspricht kalt zu werden. Irgendwann in der Nacht haben sich die Wolken verzogen und ein sternenklarer Himmel kommt zum Vorschein. Damit sinken die Temperaturen nochmals ab, bis unter Null Grad. Ich öffne meinen Schlafsack einen Spalt und die Mädls dürfen sich zu mir in den Schlafsack, bzw. halb mit drunter legen. Dadurch ist uns allen wärmer, auch mir, obwohl ich den Schlafsack etwas offen habe. Hier merkt man mal wieder, wie viel Körperwärme bringt. Nicht umsonst gibt es die Möglichkeit Schlafsäcke zusammen zu Zippen, so kann man dünnere Schlafsäcke nutzen, ohne das einem Kalt ist, da man zusammen einfach mehr Wärme produziert.

Am nächsten Morgen ist es immer noch saukalt, die hohen Berge schirmen die Sonne ab. Wir hätten noch bis über den Pass gehen müssen um gleich in der früh Sonne am Nachtplatz zu haben. Bei den Temperaturen wäre es die 1,5h Gehzeit vlt. sogar wert gewesen. Aber so lange wie wir gestern schon unterwegs gewesen waren, wäre es echt zäh und vor allem dunkel geworden.

Nach einem schnellem Frühstück geht es weiter und als wir endlich in der Sonne sind, fühlt es sich an wie ein zweiter Frühling. Sofort ziehe ich die Jacke aus, da es auf den Schlag zehn Grad wärmer ist. Nach einem kurzem Snack machen wir uns an den Aufstieg zum Zwieselbachjoch. Der Weg führt über kleinere und größere Blöcke hinauf. Das ist so Gelände, das nicht besonders schwer, aber einfach zeitraubend ist. Da man jeden Schritt bewusst setzen muss und auch die Schrittlänge nicht frei wählen kann. Die Mädls hüpfen elegant von Stein zu Stein und lassen uns alt aussehen. Auf 2868m am Joch haben wir einen traumhaften Blick, nur der Wind pfeift hier ordentlich, so dass wir nur kurz etwas trinken und uns dann an den Abstieg Richtung Winnebachseehütte machen. Auf der Seite ist das Gelände nicht so verblockt, so dass der Abstieg deutlich angenehmer zu gehen ist. Der Blick schweift dabei immer wieder zu den hohen Gipfel und hinab zu den hochalpinen Wiesen die mit zig kleinen Bächlein durchzogen sind.
Hier in dem Kessel gibt es mehr als genug Wasser, dies sollte sich nach dem nächsten Pass aber wieder ändern. Nach knapp 500hm Abstieg und kurz vor dem Winnebachsee zweigen wir ab auf den Weg über das Winnebachjoch. Wer noch ein paar Meter mehr in Kauf nimmt, kann bis zur Hütte gehen und dort Mittag machen, oder auch übernachten.

Nach kurzer Zeit werden die Steine wieder mehr und das Gras weniger, bis wir wieder im Blockgelände unterwegs sind. Die Sonne scheint und es ist einfach nur schön draußen unterwegs zu sein, bei dem Wetter begegnen wir im Aufstieg auch einigen anderen Wanderern und werden von diesen meist auch auf die Hunde angesprochen. Mit zwei so braven Vierbeinern fällt man einfach auf. Nach dem wir das Joch passiert haben, geht es erst mal ein seilversichertes Stück bergab. Die Mädls sind wie so oft viel schneller unten als wir und schauen uns so nach dem Motto an, wo wir den so lange bleiben. Recht schnell haben wir das Blockgelände hinter uns gelassen und es geht wieder über grüne Wiesen unterhalb des Hohen Seeblaskogels entlang zum Westfalenhaus. Felix besteht darauf hier eine Kaffee & Kuchen Pause einzulegen, von der Idee bin ich nicht abgeneigt und so machen wir auf der Sonnenbeschienen Terrasse eine Pause mit sehr leckerem Kuchen.

Aber irgendwann muss man auch die schönste Pause beenden und wir machen uns wieder auf den Weg. Als kleinen Abstecher geht es jetzt hinauf zur Schöntalspitze, noch ein 3000er. Der Weg zur gleichnamigen Scharte führt durch ziemlich steiles Blockgelände und das ein oder andere mal stehlt man sich schon die Frage, warum man den Gipfel den umbedingt noch mitnehmen muss. Ja Warum eigentlich, manchmal kann man dann einfach nur antworten „ja weil er eben da ist“ 

Die letzten Meter von der Scharte zum Gipfel sind dann leichte Kletterei, die Mädls meistern das wie immer souverän und ich bin immer wieder begeistert wie gut sie sich in so einem Gelände bewegen. Nach dem Gipfelfoto geht es kraxelnd wieder zurück in die Scharte und dann durch das Blockgelände wieder ein gutes Stück bergab, bevor es wieder bergauf zum nächsten Übergang geht.

Dort machen wir nochmal eine Pause und als wir da so sitzen kommt irgendwann eine Steinbockmutter mit zwei Kitzen ums Eck. Sie stehen dort bestimmt eine Viertelstunde und ich kann nach Herzenslust fotografieren.

Jetzt kommt eigentlich nur noch der Endspurt ins Tal, denkste, den auf dem Weg dahin gilt es noch über zwei Scharten/Jöcher oder wie man sie auch nennen mag, zu wandern. Der eine Abstieg ist auch ziemlich steil und wieder mit Drahtseilen versichert. Als ich mich gerade an den steilen Abstieg machen möchte, fällt mir Fala’s Pfote auf, irgendwie bewegt sie diese komisch, so vorsichtig. Nach einer kurzen Analyse, ist das Problem erkannt. Sie hat sich Ihre Daumenkralle fast abgerissen, aber eben nur fast und der Rest hängt so ungut da, dass ich Ihn nicht mit einer Schere einfach abzwicken kann. Also muss ich improvisieren. Die Kralle polstere ich etwas aus und dann Tape ich alles fest an das Bein, so kann sie nirgends mehr hängen bleiben und die Kralle ist gut verpackt. Kaum habe ich sie verarztet, läuft sie wieder ganz normal und widmet der Pfote keinerlei Aufmerksamkeit. Problem gelöst.

Und wie das passiert ist, genau kann ich es nicht sagen, aber wahrscheinlich ist sie einfach irgendwo hängengeblieben oder im Blockfeld so blöd zwischen zwei Steine gestiegen, dass es ihr dort die Kralle weggerissen hat.

Verletzungen können immer passieren, es gilt dann nur diese optimal zu versorgen und natürlich durch umsichtiges Verhalten dafür zu sorgen dass es möglichst gar nicht erst dazu kommt.

Aber kleinere Verletzungen an den Pfoten können passieren, auch wenn man verantwortungsbewusst in den Bergen unterwegs ist. Deswegen ist es umso wichtiger, dass man für seinen Hund alles dabei hat um verschiedene Verletzungen an den Pfoten selbst zu versorgen und dann noch ohne Probleme selbst ins Tal abzusteigen.

Nach dem wir das äußere Schwarzjöchl mit den Drahtseilen passiert hatten ging es auf dem Weg weiter zu den „Dreizeiger“, ein wunderschönes Fotomotiv mit drei Steintürmen.

Der Himmel hatte es sich jetzt anders überlegt, es war vorbei mit dem schönem Wetter und innerhalb kürzester Zeit wurden die Wolken Pechschwarz und es standen alle Vorboten auf Gewitter. Die Dreizeiger wurden nur einmal schnell begutachtet und wir spurteten weiter Richtung Tal. Der Wetterbericht hatte vor zwei Tagen noch nichts von Gewitter gesagt, aber so schnell kann es sich in den Bergen ändern. Ich war etwas entspannter, als wir uns immer weiter dem Tal näherten und nicht mehr so exponiert waren und uns stetig weiter Richtung Tal bewegten.

Kurz bevor wir dann wieder am Parkplatz waren, erreichte uns das Gewitter. Wir stellten uns unter und warteten bis das Gröbste vorbei war und Blitz und Donner nicht mehr zeitgleich erfolgten.

Die letzten paar Meter zum Auto waren dann auch schnell geschafft und ich freute mich über trockene Klamotten. Den alles was nicht unter der Regenjacke gewesen war, war patschnass.

 

Die Tour dauerte zwar nur zwei Tage, aber wir haben wieder so viel neues gesehen, das es sich deutlich länger angefühlt hat.

Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Trekkingtouren, egal ob diese zwei Wochen oder nur zwei Tage lang sind.

 

 

 

Tour Daten

 

Länge: 40,0 km

Höhenmeter: 4160 hm

Schwierigkeit: Rote und Schwarze Wege, Schöntalspitze UIAA I & Drahtseil

GPX-Track

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